Ich bin am Sonntag, dem 5. März 1961 geboren, inzwischen (noch) 164 cm groß und wiege rauf und runter 53 Kg. Puh! Jetzt ist es für alle Welt zu lesen, aber wenn ich mich so anschaue, gibt es da ja auch nichts zu verheimlichen.
Auf diese Welt kam ich im Magdeburger Puppendorf, bei meinem Papi im Bett, und wuchs am Ehlestrand auf. Die Russen haben mir beigebracht, wie man mit der Hand Fische fängt, und mit meinen vier Schwestern habe ich Gojko-Mitić-Filme nachgespielt oder Montagabend Willi Schwabes Rumpelkammer geguckt. Ansonsten habe ich jahrelang geglaubt, ich könne fliegen, bis ich als Magdeburgs erste Ernst-Grube-Schülerin zum Pädagogikstudium nach Bernburg geschickt wurde und man mir beibringen wollte, das stimmt gar nicht.
Klüger, aber nicht gescheit, habe ich mich früh verehelicht und bin dann aber doch lieber mit meinem Sohn allein weitergegangen, hätte mich dann fast an den Balaton verdrückt, aber dann kam eine gute Wende und mein Traum vom Fliegen zurück. Ich wurde Puppenspielerin und ließ sie alle tanzen. „Bin ich schon auf Sendung?" war der einzige Satz in meiner ersten Sprechrolle am professionellen Theater. Fortan habe ich 10 Jahre alle Prinzessinnen gespielt, das war lustig und unbeschwert, eine Welt wie sie mir gefällt, und dreimal drei war immer neune!
Und heiter ging das Leben weiter: Ein wundervoller Engel und ich gründeten ein eigenes Theater. Wenngleich nicht reich, aber schön, und viele unglaublich facettenreiche Inszenierungen verfeinerten fortan unser gemeinsames Theaterleben – und nicht nur Weihnachten in Familie, unterm Christbaum, bei Kerzenschein.
Seit meinem 55. Geburtstag weiß ich, dass auch Mut zum Altern gehört. Wenn man aber, so wie ich, noch heute – und zwar auch ohne eigenes Theaterhaus – immer noch das Bühnenglück hat, bleibt, was früh begann: das Leben eine einzigartige, überraschende Dramaturgie.
Und so bin ich heute die, DIE in der 66 wohnt, DIE jedes Jahr am Heiligabend „Stille Nacht" gegen die Fassade des 16-Geschossers singt, DIE dort mit blauweißem Schal als Henny Thiele am Fenstersims für Vorübergehende Geschichten palavert, DIE der trauernden Stadt Magdeburg das Wort gibt, DIE auf dem Catwalk der Feuerwache die Kleider des Roten Dior zur Schau trägt, und auch DIE – wenn genug Schampus im Haus ist – gern die Salonkultur vergangener Zeiten wieder aufleben lässt.